id: die-saarlandischen-bergbausiedlungen.html title: Die saarländischen Bergbausiedlungen excludeFromNav: False subject: Geschichte description: Erbe des Bergbaus – Zukunft der Stiftung für Wohnungsbau der Bergarbeiter contributors: Dr. Keno Zimmer creators: Delf Slotta effectiveDate: 2009/12/31 19:18:13.718 GMT+1 expirationDate: None language: rights: (C) Stiftung für Wohnungsbau der Bergarbeiter creation_date: 2009/12/31 17:13:40.856 GMT+1 modification_date: 2010/05/01 14:56:39.024 GMT+2 relatedItems: allowDiscussion: None Content-Type: text/html

Im Beitrag „Von der Eigenheimförderung zum modernen Wohnungsunternehmen“ sind die allgemeine Entwicklung der Stiftung dokumentiert und deren Zukunftsperspektiven aufgezeigt worden. Die acht nachfolgenden Fallbeispiele belegen das Engagement der StWB im Hinblick auf den Erhalt, die Pflege und die Entwicklung seines in Teilen denkmalgeschützten Immobilienbestands. 

Reden

Reden: Bergbau - Kulturlandschaft - Siedlung (1953). 

Derzeit betreut die StWB Wohnen GmbH, eine 100%Tochter der Stiftung für Wohnungsbau der Bergarbeiter, 24 unterschiedlich große Siedlungsensembles, die überwiegend in den historischen bergbaulichen Schwerpunkträumen liegen. Der Objektbestand der StWB lässt sich verschiedenen zeitlichen Epochen zuordnen. Gebäude aus der Ära des Preußischen Bergfiskus sind ebenso darunter wie solche aus der Zeit der zweiten und dritten französischen Verwaltungszeit des Saarbergbaus. Einzelnen Gebäudeeinheiten kommen unter landesgeschichtlichen, industriearchitektonischen und siedlungsspezifischen Gesichtspunkten hohe Bedeutungen zu. 

Die Werkssiedlung Göttelborn 

Die Beamtensiedlung der ehemaligen Grube Göttelborn befindet sich in unmittelbarer Nähe der Schachtanlage in der Josef-, Gruben- und Fichtenstraße. Das aus 29 Doppelhäusern und einer Inspektionsvilla bestehende Ensemble besticht durch die Vielfalt der Gebäudetypen, ohne dadurch uneinheitlich zu wirken. Allein in der Josefstraße, der früheren Koloniestraße, trifft man fünf verschiedene Häusertypen an. Rotbraune Sandsteinfassaden wechseln mit Backsteinfassaden. Mal treten die baulichen Schmuckformen -Lisenen, Gesimse und bossiertes Mauerwerk im Sockelbereich- zurück, mal treten sie stärker in den Vordergrund, vor allem dann, wenn farbige Klinker als Fassadenschmuck oder Fenstereinfassung Verwendung fi nden. Überall trifft man auf einen bewussten Gestaltungswillen mit viel Liebe zum Detail. Jüngere Gebäude haben auf ihre älteren Nachbararchitekturen stets korrespondierend Bezug genommen. 

Die Göttelborner Beamtensiedlung ist in zwei Bauabschnitten entstanden. Zwischen 1888 und 1912 errichtete der Preußische Bergfiskus in der Gruben-, Josef- und Fichtenstraße 23 Doppelhäuser. Alle Häuser sind eineinhalbgeschossig und haben einen rechteckigen Grundriss. Die älteren Typen haben eine ungegliederte Fassade und ein Satteldach, spätere Typen zeigen Mansardendächer, Mittel- bzw. Eckrisalite und sind allgemein aufwändiger gestaltet. Zu allen Häusern gehören separat stehende Wirtschaftsgebäude. Erhalten ist zudem das große zweigeschossige Inspektionsgebäude in der Grubenstra ße 18. Es wurde denkmalgerecht saniert und dient heute ebenfalls Wohnzwecken.

Göttelborn

Göttelborn: Bergwerk und Grubensiedlung im Luftbild (2006). 

Göttelborn

Göttelborn: Doppelhäuser mit Wirtschaftsgebäuden und Parzelleneinteilungen. 

Göttelborn

Göttelborn: Gebäudegefüge in der Beamtensiedlung. 

 1921 haben die Mines Domaniales Francaises de la Sarre die Werkssiedlung in der Fichtenstraße mit sechs Doppelhäusern für Angestellte ergänzt. Die französischen Architekturen unterscheiden sich deutlich vom preußischen Gebäudebestand. Zwei leicht modifizierte Haustypen gestalten den schönen baumbestandenen Straßenzug abwechslungsreich: Auf ein Gebäude mit symmetrischem Grundriss antwortet auf der gegenüber liegenden Seite ein Haus mit asymmetrischem Grundriss. Besonders auffällig ist die variantenreiche Gestaltung der Dachformen und Dachausbauten der eingeschossigen Grubenhäuser. Zu jeder Gebäudeeinheit gehört auch hier ein großzügiger Nutzgarten mit einem Wirtschaftsgebäude. Die französische Grubenverwaltung folgte hier dem bewährten Konzept der Preußischen Bergverwaltung. 

Die Göttelborner Bergarbeitersiedlung ist eine von wenigen im Saarrevier, in der sich die originale Bausubstanz gut erhalten hat. Die Geschlossenheit und Haustypenvielfalt verleihen ihr eine besondere Bedeutung. Die Wirkung der Gebäude wurde vor allem durch die von der StWB vorgenommene denk malgerechte Erneuerung der zweiflügeligen Sprossenfenster verstärkt. An mehr als zehn Doppelhäusern sind zudem neue Dacheindeckungen mit Falzziegeln aufgelegt worden. Zwei Häuser sind im Inneren beispielsweise durch den Einbau neuer Bäder, die Erneuerung der Elektroinstallation, den Einbau neuer Innentüren und Wohnungsabschlusstüren vollständig saniert und somit entscheidend aufgewertet worden. Diese Maßnahmen haben dazu beigetragen, dass sich in Göttelborn auch heute noch frühere bergmännische Lebenswelten nachempfi nden lassen. 

Die Mietshauskolonie Madenfelderhof in Landsweiler-Reden 

Die ganz im Schatten der Redener Halden liegende Werkssiedlung Madenfelderhof gilt zweifelsfrei als das beste Beispiel einer Mietshaussiedlung aus der Verwaltungszeit der Mines Domaniales Francaises de la Sarre im gesamten Saarrevier. Sie steht in Gänze unter Denkmalschutz. Baubeginn war im Sommer des Jahres 1920. Schon im Frühjahr des folgenden Jahres zogen die ersten „Kolonisten“ ein. Im Jahr 1922 war die gesamte Siedlung bewohnt. Insgesamt besteht die Werkssiedlung Madenfelderhof heute aus 37 Doppelhäusern, die sich auf zwei Straßenzüge verteilen. 

Madenfelderhof ist ein bemerkenswerter Ort: Dem Architekten, der 1920 die Planung des Madenfelderhofes betrieb, standen rund 35 Hektar geschlossene Grundstücksfläche zur Verfügung. An Infrastruktur waren lediglich Feldwege vorgegeben. Die planerische Konzeption war in erster Linie durch die Absicht bestimmt, eine Straßensiedlung aus gleichgroßen, streifigen Parzellen zu schaffen, die jederzeit erweiterungsfähig war. Auf das Konzept der Straßensiedlung griff man vor allem deshalb zurück, weil es jeder Parzelle einen gleichwertigen Straßenanschluss garantierte. Bewusst wurde auch das Oberflächenrelief in die Planung mit einbezogen und, obwohl die Planer Auflagen zur Standardisierung des Bauvorhabens unterworfen waren, haben sie eine stereotype Normierung von Straßennetz und Parzellengefüge zu vermeiden gewusst. Diese Faktoren haben ganz wesentlich zum Planungserfolg beigetragen: Die Anpassung an das Relief sparte zum einen Kosten und nahm zum anderen der Siedlung von vornherein jeden Eindruck von Monotonie. Es erscheint bemerkenswert, welche planerische Möglichkeiten genutzt wurden, um der Gefahr der Uniformität in einer Siedlung aus standardisierten Parzellen, Wohneinheiten und Gebäuden aus dem Wege zu gehen: Der Grundriss wurde trapezförmig angelegt, wobei das Trapez ungleich lange Schenkel bekam. Die Straßen erhielten einen gekrümmten Verlauf. Reden: 

Reden Madenfelderhof

Die Siedlung Madenfelderhof und die Halde Reden (2008). 

Die Parzellen sollten gleiche Größe besitzen. Um jedoch einen schachbrettmusterähnlichen Grundriss zu vermeiden, erhielten einige Parzellen nicht den Zuschnitt eines Rechteckes, sondern den eines Parallelogramms. Der Übergang zur Feldflur wirkt nicht wie vom Reißbrett abgegriffen und mit Messlatte und Bandmaß im Gelände verwirklicht. Von SO nach NW nimmt die Bebauung an den Straßen ab: In der zweiten Reihe (gegenüberliegende Straßenseite) sind es zwölf, in der dritten Reihe (südöstliche Seite der Koloniestraße) sind es acht und in der vierten Reihe (gegenüberliegende Straßenseite) sind es sieben Gebäude. Die Häuser sind gegeneinander versetzt angeordnet, ihre Mittelachsen korrespondieren auf der gegenüberliegenden Seite jeweils mit den unbebauten Grundstücksgrenzen. Ein weiteres Mittel der Gestaltung stellen die Haustypen selbst und ihre Verteilung dar. Zu den vier Gebäudereihen wurden in Anpassung an das Relief vier Haustypen entwickelt. Zu jedem traufständigen Haustyp wurde eine giebelständige Variante entwickelt, so dass innerhalb einer Reihe bei aller Sparsamkeit keine Monotonie aufkommen konnte. 

Exkurs: Die Lebensumstände der Erstbewohner auf Madenfeld 

Über die ersten Bewohner der Werkssiedlung Madenfelderhof gibt das Einwohnerbuch des Saargebietes von 1927 durch die Nennung von Name, Beruf und Adresse Auskunft. Zum Zeitpunkt der Erhebung lebten in den 83 Wohnungen der Werkssiedlung 119 wirtschaftlich selbstständige Personen (Personen mit eigenem Einkommen), davon waren vier weiblich. Da pro Haushalt mit durchschnittlich drei Kindern gerechnet werden kann, ist für das erste Jahrzehnt des Bestehens der Siedlung von einer Bevölkerungszahl von ca. 400 Einwohnern auszugehen. Dies entspricht einer Einwohnerzahl, wie sie für zahlreiche verkehrsentlegene Bauerndörfer vor dem Zweiten Weltkrieg im Saarland zutrifft. In etwa 30 Haushaltungen arbeitete außer dem Vater noch ein Sohn in der Grube. Der pensionierte Bergmann und Landwirt Jakob Holzer zum Beispiel, der das zu Wohnungen umgebaute Bauernhaus (Madenfelderhofstraße 4) mit vier erwachsenen Söhnen bewohnte, hatte unter seinen Kindern einen Bergmann, einen Grubenschlosser und einen Kraftfahrzeugfahrer. Auch der pensionierte Bergmann Hermann Türk, der aus Sachsen an die Saar gekommen war, wohnte 1927 in der Koloniestraße 6 noch mit zwei seiner Söhne zusammen, die Bergleute waren. Aus dem häufigen Umstand, dass neben dem Haushaltungsvorstand noch ein weiterer Sohn auf der Grube beschäftigt war, darf jedoch nicht geschlossen werden, dass von der Verwaltung solche Familien bevorzugt in der Werkssiedlung eine Wohnung erhielten, von denen mehrere Mitglieder Bergmann waren. Häufig lebten die Kinder bis zu ihrer Verheiratung in der elterlichen Wohnung. Pensionierte Berg leute oder ihre Witwen wohnten im Haushalt ihrer Kinder, die eine Werkswohnung erhalten hatten, da der Bergmann nach seiner Pensionierung nur noch drei Jahre in der Werkssiedlung bleiben durfte. Invaliden oder Angehörige von Bergleuten, die bei der Arbeit umgekommen waren, durften ihre Wohnung behalten. Da die Wohnungen nur aus vier Räumen bestanden, musste außer den beiden Schlafzimmern im Dachgeschoss in vielen Fällen auch das Wohnzimmer Schlafplätze aufnehmen. Die Küche diente zum Kochen, in den meisten Fällen zur Einnahme des Essens, daneben aber auch allen Bewohnern als Waschraum. Um sich teilweise selbst zu versorgen, wurde der Garten zum Anbau von Kartoffeln und Gemüse genutzt. Jede Familie erntete in ihrem Garten zwischen 15 und 20 Zentner Kartoffeln. Die Früchte des Birnbaums, der zu jedem Haus gehörte, wurden zu Brotaufstrich verarbeitet. Das Futter für Ziege und Kaninchen gewann man zum Teil aus dem Grünlandanteil des Gartens. 

Zum Einkaufen von Lebensmitteln und täglichem Bedarf standen zwei Verkaufsstellen des seit 1894 bestehenden Konsumvereins der Grube Reden zur Verfügung. Nach Errichtung der Werkssiedlung wurde eine Hälfte des Wohnhauses Madenfelderhofstraße 56 in einen Lebensmittelladen umgewandelt. Nur 200 m nordwestlich des Madenfelderhofes gab es an der Bildstockstraße in Reppertseck eine Bäckerei und eine Gaststätte. 

Madenfelderhof

Madenfelderhof: Giebelständiges Gebäude in der Koloniestraße. 

Die danebengelegene Unterführung der Eisenbahn ermöglichte ohne allzu lange Wege den Besuch der Landsweiler Geschäfte und Gaststätten im alten Teil des Dorfes. In wenigen Minuten konnte man den Bahnhof erreichen. Der größten Beliebtheit erfreute sich über die Jahre hinweg die Kaffeeküche des Bergwerks Reden, wo es – neben vielem anderem – Bier, frische Weck und Lyoner in vorzüglicher Qualität zu niedrigen Preisen gab. In Eigeninitiative legten die Männer des Madenfelderhofes in ihrer Freizeit für die Kinder einen Spielplatz an, zu dem eine Parkanlage mit Bänken hinzukam. 

Madenfelderhof 2006

Madenfelderhof: „Leben in der Kolonie“. 

Madenfelderhofstraße

Madenfelderhof: Die Madenfelderhofstraße – Geprägt von Hausbäumen. 

Angesichts der weiträumigen Umgebung des Madenfelderhofes mit Feld und Wald, Wiesen, Halden, Weiher und Verkehrsflächen nahezu ohne Autoverkehr mag die Einrichtung eines Kinderspielplatzes verwundern, doch darf dabei nicht übersehen werden, dass die landwirtschaftliche Nutzfläche bestellt und durch den Flurschütz im Auge behalten wurde und dass zahlreiche Grubenhüter dafür sorgten, dass das Werksgelände von den Kindern nicht betreten wurde. Durch die Auffüllung des Brönnchesthales war ein Weiher entstanden, der zum Baden -und zum heimlichen Angeln- genutzt wurde. Der nahe Wald bot mit seinen Bäumen und Ginsterhecken vielfältige Möglichkeiten. Für die Männer war die Gaststätte Reppert, die nur 200 m talwärts vor der Unterführung lag, ein beliebter Treffpunkt am Abend. Hier wurde als erster eigenständiger Verein der Bewohner des Madenfelderhofes die Vereinigung Alpenrose gegründet. Es bedeutete für die Hofer einen herben Verlust, als im Zusammenhang mit dem Bau der Kokerei Reden Reppertseck mit Gaststätte und Bäckerei abgerissen wurde, zugleich auch die selbst geschaffene Parkanlage verschwand sowie die Möglichkeit verloren ging, durch die Unterführung in kurzer Zeit Bahnhof und Dorf zu errei chen. Seit dem Bau der Kokerei hatten sich die Lebensbedingungen in der Werkssiedlung nachhaltig verschlechtert. Die Abgase der Kokerei verpesteten die Luft, ihr Staub bedeckte alles. Als Weg nach Landsweiler steht seitdem nur noch die Saarbrücker Straße zur Verfügung. Die freie Aussicht wurde im Westen und Süden durch die immer höher werdenden Bergehalden und im Norden durch die Kokerei verbaut. Das gesamte Brönnchesthal wurde nun von zwei großen Schlammweihern eingenommen. 

Momentan erfährt der Madenfelderhof durch die Strukturwandelmaßnahmen am ehemaligen Bergwerkstandort Reden eine spürbare Aufwertung und präsentiert sich in gutem Zustand. 

Reden – Die Siedlungen Schachtstraße und Schlossstraße 

In unmittelbarer Nähe der imposanten Tagesanlagen der ehemaligen Grube Reden befinden sich zwei ausdrucksstarke und denkmalgeschützte Bergarbeitersiedlungen. In Sichtweite des Redener Zechenhauses liegt, nur durch die berühmte Redener Denkmalanlage, die an die Grubenunglücke der Jahre 1864 und 1907 erinnert, die Werkssiedlung „ Schachtstraße“. Sie lässt in besonderer Weise das Nebeneinander des Arbeits- und Wohnplatzes des Bergmanns auf Reden erkennbar werden. 

Reden Schachtstraße

Reden: Baumaßnahmen in der Mietshauskolonie "Schachtstraße.

Reden Kolonie Schachtstraße

Reden: Kolonie Schachtstraße - Loggia in der Eingangssituation. 

Reden Kolonie Schachtstraße Gesamtansicht

Reden: Kolonie Schlossstraße - Gesamtansicht mit typischem Parzellengefüge

Reden  Ökonomiegebäude

Reden: Kolonie Schachtstraße - Seltenes Ökonomiegebäude in Fachwerk. 

Quasi vor den Werkstoren hat der Preußische Bergfiskus die Kolonie, die aus repräsentativen, unterschiedlich ausgestatteten Doppelhäusern besteht, angelegt. Das Erscheinungsbild der Wohnplätze wird dabei von den aufwändig gestalteten Fassaden, den reich gegliederten Dachlandschaften sowie den großen Parzellen mit den darauf stehenden Ökonomiegebäuden bestimmt. Die gesamte Siedlung ist mit prächtigen Hochstämmen durchgrünt. Dagegen bilden in der Schlossstraße sechs Doppelhäuser eine geschlossene Zeilenbebauung. Derzeit laufen zahlreiche Maßnahmen, unter anderem werden momentan die Straßen, die Kanäle und die Straßenbeleuchtung erneuert. In der Schlossstraße soll zudem durch eine neue Baumbepflanzung auch der ursprüngliche Alleecharakter wieder zur Geltung kommen können. Zudem wurden bereits vier von sechs Dacheindeckungen erneuert. Somit wird der Zukunftsort Reden in absehbarer Zeit auch mit eindrucksvollen Siedlungsbildern aufwarten können. 

Jägersfreude – Die Bergarbeitersiedlung Blechhammer 

Über Jahrzehnte hinweg dominierte die Silhouette des Bergwerks Jägersfreude den Ausgang des Sulzbachtales und das Erscheinungsbild der Berg arbeitersiedlung Jägersfreude. In Umsetzung der im Generalplan I der Saarbergwerke AG vom 01. Oktober 1962 vorgesehenen Rationalisierungsmaßnahmen wurde die Kohleförderung am Standort Jägersfreude am 26. Juli 1968 eingestellt. Anschließend diente die Grube Jägersfreude dem nahegelegenen Bergwerk Camphausen als Nebenanlage. In Folge dieser Entscheidung mussten markante Anlagenteile, so die Aufbereitungsanlage und der Grubenbahnhof abgerissen werden. Noch weitergehendere Veränderungen brachte das Abwerfen der 1906 bzw. 1920 angeschlagenen Schächte Jägersfreude III und IV mit sich. Zwischenzeitlich vom Bergwerk Camphausen als Seilfahrts- und Frischwetterschacht genutzt, wurden sie 1988 verfüllt. Mit dem Abbruch der beiden 1942 und 1950 aufgestellten markanten, rostroten Fördergerüste verlor Jägersfreude im Jahr 1988 seine Wahrzeichen. Geblieben aber ist die Bergarbeitersiedlung Blechhammer, die unmittelbar an das historische Grubenareal anschließt. Die StWB Wohnen GmbH bewirtschaftet hier derzeit insgesamt 65 Wohnungen. 

Jägersfreude 1

Jägersfreude 2

Jägersfreude: Impressionen aus der Siedlung Blechhammer. 

 Der Blechhammer liegt an der südlichen Spitze des Saarbrücker Stadtteiles Jägersfreude. Nach Osten wird das Ensemble vom Sulzbach begrenzt. Die westliche Grenze sind die rückwärtigen Gärten der Bebauung Haldenweg. Die nördliche Linie ist die Kopfbebauung Nr. 1-3 und 4 entlang der St. Johanner Straße. Über diese Straße wird das Gebiet mit Fahrzeugen erschlossen. Das Wohngebiet wird geprägt von zweigeschossigen Mehrfamilienhäusern im inneren Bereich sowie von dreigeschossigen Mehrfamilienhäusern im Bereich St. Johanner Straße, wobei die Gebäude „St. Johanner Straße 1 und 3“ in Reihe stehen. Westlich der Blechhammerstraße finden wir eine gleichmäßige Bebauung mit einzeln stehenden Mehrfamilienhäusern vor. Im Gegensatz dazu steht die östliche Straßenseite, wo wir größere Lücken und eine gestaffelte Reihung von zwei Mehrfamilienhäusern (Nr. 17 und 19) vorfinden. 

Zur Charakteristik der Wohngebäude ist festzustellen, dass es zwei Gebäudetypen im Bereich der zweigeschossigen Wohnhäuser gibt: Zum einen die so genannten Arbeiterhäuser (Nr. 2, 4, 6, 17 und 19) und zum anderen die Angestelltenhäuser (Nr. 8 und 10). Vom Typus handelt es sich bei der Gebäudeart um zweigeschossige Massivhäuser mit Satteldachausführung. Beide Haustypen sind jeweils voll unterkellert, wobei das Kellergeschoss bis ca. 60 cm über Terrain liegt. Der Unterschied zwischen beiden Typen liegt in der Gebäudegröße und in der inneren Aufteilung der Wohnungen. Beide Typen sind als Sechs- Wohneinheitenhäuser konzipiert. Über eine Kelleraußentreppe besteht die Verbindung zu den Gartenbereichen. Alle Wohnungen sind Drei-Zimmerwohnungen mit Küche und Bad, wobei die Angestelltenhäuser etwas großzügiger bemessen wurden. Der Standard der Wohnungen zeigt kleinteilige Zimmeraufteilungen und kleine Bäder als Merkmale der für diese in den 1950er Jahren typische Bauweise. 

Im Bereich der St. Johanner Straße finden wir den Gebäudetypus eines dreigeschossigen Hauses mit Satteldach und Vollkeller vor. Die St. Johanner Straße 1 und 3 weisen Drei-Zimmerwohnungen und teilweise Zwei-Zimmerwohnungen auf. Markant sind jeweils die großen Wohnküchen und die kleinen Bäder. Kleine Loggien zur Südseite finden wir nur noch im Haus Nr. 1. Im Haus 3 sind diese kleinen Freiräume den Bädern zugeschlagen worden. Das Haus Nr. 4 ist nicht in Reihe stehend, sondern stellt ein Einzelhaus dar. Es weist großzügige Drei-Zimmerwohnungen mit Wohnküche und Bad sowie Balkon aus. Die Pläne zu den Gebäuden St. Johanner Straße Nr. 13 und Nr. 4 stammen vom September und Dezember 1948. Im November und Dezember 1955 wurden die Arbeiter- und Angestelltenhäuser entlang der Blechhammerstraße geplant. Aufgrund der bauauf- sichtlichen Genehmigungen des damaligen Landkreises Saarbrücken kann man davon ausgehen, dass die Häuser St. Johanner Straße in den Jahren 1949/50 und die Häuser in der Blechhammerstraße 1956/57 gebaut wurden. 

Friedrichsthal – Die Siedlung „Am Klaraschacht” 

Der im Jahr 1885 niedergebrachte Klaraschacht gehörte zur Grube Maybach und befand sich südwestlich der nach ihm benannten Siedlung. Diese stellt die letzte große Baumaßnahme dar, die seitens der Verwaltung der “Regie des Mines de la Sarre” in Friedrichsthal durchgeführt wurde. 

Friedrichsthal 1

Klaraschacht

Friedrichsthal: Impressionen aus der Siedlung „Am Klaraschacht“.

Baubeginn war im Jahr 1949, die Saarbergwerke AG schlossen im Jahr 1961 die Maßnahme ab. Am Klaraschacht entstand eine „Kolonie“ mit Beamtenhäusern, die in einem für die damalige Zeit völlig neuen Stil ausgeführt wurden. Durchweg wurden Vierfamilienhäuser gebaut. Diese sind zweigeschossig und haben steile Satteldächer. Die Architekturen sind schlicht und funktional, auffallendes Dekor fehlt. In der Bevölkerung hatte die Siedlung den Namen Korea - in Anlehnung an die Koreakrise, die zu Zeiten des Baus des Ensembles die Welt in Atem hielt. 

Die Siedlung „Am Klaraschacht“ präsentiert sich heute in sehr gutem Zustand. In den letzten Jahren wurden die Straßen und die Kanäle erneuert, teilweise sind Zentralheizungen eingebaut worden. Zahlreiche der insgesamt 110 Wohnungen sind durch den Einbau neuer Bäder, die Erneuerung der Elektroinstallationen und den Einbau neuer Innen- und Wohnungsabschlusstüren modernisiert und entscheidend aufgewertet worden. Heute verfügt die Siedlung Am Klaraschacht über eine hohe Lebensqualität. Und die bergmännisch geprägte Sozialstruktur ist hier noch überall spürbar. 

Luisenthal – Die Siedlung „Altenkesseler Straße“ 

Die Siedlung „Altenkesseler Straße“ ist von der Nutzung her als reines Wohngebiet zu betrachten. Als Haupt- Zu- bzw. -Abfahrt bzw. Erschließungsstraße dient die Altenkesseler Straße, die in Nord-Süd-Richtung als westliche Ortsrandstraße Altenkessels durch das Frommersbachtal verläuft. Die im Jahr 1957 begonnene Bebauung erfolgte straßennah, wobei die ersten drei Doppelhäuser parallel zur Straße verlaufen. Die nächsten beiden Gebäude sind ebenfalls Doppelhäuser und stehen im Winkel von ca. 30 Grad zur Altenkesseler Straße. Nach Norden schließen sich drei Dreierblöcke, ebenfalls im Winkel von 30 Grad stehend, an. Den Abschluss bilden zwei Doppelhäuser. Insgesamt finden wir sieben Doppelhäuser vor, die von einer Zweigeschossigkeit mit Pultdach und Vollkeller gekennzeichnet sind. Zum Teil stehen die Doppelhäuser in der Nahtstelle höhenmäßig versetzt. Die Dreierblöcke sind dreigeschossig mit Pultdach und vollunterkellert. Charakteristisch ist die Abstufung Doppelhaus-Einzelhaus, wobei das Einzelhaus höhenmäßig in der Achse versetzt ist. Die Häuser sind jeweils mittig erschlossen. 

Völklingen

Völklingen-Luisenthal: Bebauung aus den 1950er Jahren in der Altenkesseler Straße. 

 

Pro Etage befinden sich in der Regel je zwei Wohneinheiten, außenliegend je eine Vier-Raum-Wohneinheit und innenliegend je eine Drei-Raum-Wohneinheit. Charakteristisch ist, dass die Küchen in den Wohnbereich integriert sind. Hinter den Häusern befinden sich im Wald gelegene zusätzliche Freizeit- und Gartenbereiche. Der generelle Standard des Bestands entspricht der Bauzeit der 1950er-Jahre. Für die damalige Zeit war das Ensemble, das später an die Fernwärmeschiene angebunden wurde, hochmodern. Heute betreut die StWB in der Siedlung 105 Wohnungen. Diese ausgeprägte Mehrfamilien- Hausstruktur finden wir nur westlich der Altenkesseler Straße vor. Auf der östlichen Seite ist die Hausstruktur kleinteiliger. Straßenbegleitend sowie traufständig zur Straße finden wir hier vorwiegend eingeschossige Einzel- und Doppelhäuser mit Satteldach vor. Eine Ausnahme bildet das Mehrfamilienhaus in der Altenkesseler Str. 8. Dieses Haus besitzt zwei Vollgeschosse mit Satteldach und Vollkeller und bildet den Abschluss der Bebauung in südlicher Richtung der Altenkesseler Straße. Typisch für die Grundstücke ist das relativ stark zum Gewässerlauf hin abfallende Gelände, sodass die östlichen Kellerbereiche fast frei stehen. Großzügig bemessene Gärten schließen sich hier bis zu den Uferzonen des Frommersbaches hin an. Die StWB hat in den letzten Jahren zahlreiche Wohnungen in der Siedlung „Altenkesseler Straße“ modernisiert. Positiv lässt sich die Standortzukunft einschätzen. Gute Mikrolage, schöne Grundstücke sowie gute infrastrukturelle Bedingungen weisen auf ein gutes Entwicklungs- und Standortpotenzial hin. 

Klarenthal – Die Siedlung am Delbrückschacht 

Die im Saarbrücker Stadtteil Klarenthal gelegene Bergwerkssiedlung am Delbrückschacht wurde in den Jahren 1960-1963 errichtet. Die StWB betreut hier insgesamt 139 Wohnungen. 

Klarenthal

Klarenthal: Bauen nach 1945 - die Mietshaussiedlung am Delbrückschacht (1960-1963). 

Der Gebäudebestand wird durch die in NordSüd- Richtung verlaufende Fenner Straße in zwei Bereiche geteilt. Der westliche Teil des Wohngebietes weist eine Bebauung mit eingeschossigen Reihenhäusern auf, die nicht im Bestand der StWB sind. Charakteristisch für das östlich gelegene Gebäudeensemble sind die zweigeschossigen Häuser mit Satteldach, die zwei-, drei- und vierfach gereiht stehen. Die Erschließung erfolgt über das Mühlenfeld, wel ches die Siedlung in Ost-West-Richtung durchquert. Südlich des Mühlenfeldes sind die Doppelhäuser parallel zur Straße, südorientiert angeordnet. Nördlich der Fenner Straße sind die Wohngebäude dreimal in dreifacher und einmal in vierfacher Reihung stehend im rechten Winkel zum Mühlenfeld aufgestellt. Die Erschließung erfolgt hier über Stichstraßen. Südlich dieser Bebauung liegt das Areal der Delbrück-Schachtanlage mit seinem markanten, über dem Schacht II stehenden und aus dem Jahr 1908 stammenden Fördergerüst. Entlang der Fenner Straße nach Süden verläuft eine straßenbegleitende Bebauung mit Einzelhäusern. Diese sind zweigeschossig und zeigen Satteldachausführung. 

Die Bedeutung der Bergwerkssiedlung am Delbrückschacht ist aus städtebaulicher Sicht hoch. Das Ensemble stellt in Zusammenhang mit dem alles überragenden, rot gestrichenen Fördergerüst des Delbrückschachtes ein augenfälliges Beispiel für den Bergarbeitermietshausbau in den beginnenden 1960er Jahren dar. Diesen Bestand galt und gilt es zu entwickeln und zu optimieren. Dazu wurden in den letzten Jahren zahlreiche Maßnahmen in Hinblick auf die Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität der Bewohner in der Siedlung durchgeführt. In der Fennerstraße 94, 96 und 98 sind so der Einbau von Zentralheizungen, die Erneuerung des Fassadenanstrichs und der teilweise Einbau neuer Fenster, neuer Bäder und neuer Elektroinstallationen erfolgt. Die vier Wohnungen im Haus Fennerstraße 101 wurden inklusive der Anlage von 4 Mietergärten komplett saniert. In der Schachtstraße sind im Jahr 2007 alle Gebäude frisch gestrichen worden, gleichzeitig wurden die Straßen und die Kanäle erneuert. Zudem wurden hier zahlreiche Wohnungen z. B. durch den Einbau neuer Bäder, die Erneuerung der Elektroinstallation, den Einbau neuer Innen- und Wohnungsabschlusstüren sowie die Erneuerung des Fliesenspiegels in der Küche modernisiert. Diese Maßnahmen sind ein wichtiger Beitrag zur Instandsetzung und gezielten Entwicklung dieses Quartiers. 

Dorf im Warndt – Eine Siedlung im Grünen 

Dorf im Warndt, heute ein Gemeindebezirk von Großrosseln, wurde im Jahr 1938 mit Selbsthilfeleistung der Siedler durch die Saarbrücker Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft als nationalsozialistische Mustersiedlung inmitten der Waldlandschaft des Warndt errichtet. Geplant war, für die benachbarte Großstadt Saarbrücken eine Stadtrandsiedlung zu bauen. Untergebracht wurden in der so genannten Kleinsiedlung mit Nebenerwerbsstellen (mit Gärten und Flächen für die Haltung von Kleintieren für die Selbstversorgung) jedoch vor allem Hüttenarbeiter mit ihren Familien, die auf der Völklinger Hütte angelegt waren. Ende des Jahres 1960 wurde mit dem Bau einer neuen Werkssiedlung, jetzt für die Bergleute der neu geschaffenen Grube Warndt, begonnen. Bis zum Jahr 1964 entstanden insgesamt 268 Wohnungen. 

Dorf im Warndt

Dorf im Warndt: Die „Bergarbeitersiedlung im Grünen“. 

Die Werkssiedlung Dorf im Warndt ist ganz bewusst in den Wald hinein gebaut worden. Auch innerhalb dieser „Siedlung im Grünen“ nahm die Planung weitestgehend auf den vorhandenen Baumbestand Rücksicht. Rauch- und Rußbelästigung waren ausgeschlossen, da die Siedlung an die von Velsen zur Grube Warndt führende Fernheizleitung angeschlossen war. Die aufgelockert und gestaffelt stehenden Baukörper der Werkssiedlung sind in vier Varianten, die den persönlichen Wünschen und dem Familienstand der Einlieger gerecht werden sollten, zur Ausführung gekommen. Drei Haustypen verfügen über jeweils drei Zimmer, Küche und Bad, der vierte Typ ist um ein Zimmer größer. Die nach damaligen Gesichtspunkten großzügig bemessenen Wohnungen besaßen – so „Schacht und Heim“, die Werkzeitung der Saarbergwerke AG – jede einen gut belichteten Wohnraum mit Loggia, Balkon oder Terrasse, eine Kochküche, große Schlafzimmer und ein vollständig eingerichtetes Bad. 

In den letzten Jahren wurde in Dorf im Warndt einiges investiert. Derzeit laufen weitere Maßnahmen, unter anderem werden momentan die Straßen, die Kanäle und die Straßenbeleuchtung erneuert. Zahlreiche Wohnungen sind durch den Einbau neuer Bäder, die Erneuerung der Elektroinstallation sowie den Einbau neuer Innentüren und Wohnungsabschlusstüren modernisiert worden. Treppenhäuser wurden frisch gestrichen, einige Hausanschlüsse für Frischwasser wurden erneuert. Eine Wohnung erhielt ein behindertengerechtes Badezimmer und einen Hublifter an den Balkon, damit der auf einen Rollstuhl angewiesene Mieter auf diesem Weg seine Wohnung verlassen kann. Darüber hinaus wurden drei Wohnungen für Senioren barrierearm umgebaut. Im Jahr 2008 musste eine große Baumfällaktion durchgeführt werden, bei der mehrere hundert Bäume gefällt bzw. zurückgeschnitten wurden. Der Charakter der Siedlung im Grünen hat jedoch durch diese Maßnahme nicht gelitten. Vielmehr haben es die von der Stiftung für Wohnungsbau der Bergarbeiter vorgenommenen bzw. derzeit laufenden Maßnahmen vermocht, die Attraktivität des Wohnplatzes deutlich aufzuwerten. 

 Delf Slotta