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Bergarbeiterwohnungsbau im Saarland

Zwei Jahrhunderte Siedlungswesen – eine Zeitreise!

Der Bergbau auf Steinkohlen hat im Saarland aufgrund der besonderen geologischen Verhältnisse schon sehr früh eingesetzt. Bodenfunde, beispielsweise aus römischer Zeit und urkundliche Erwähnungen von Gewinnungsarbeiten wie im Schöffenweistum zu Neumünster von 1429 belegen dieses. Aber erst die 1751 durch den Fürsten Wilhelm- Heinrich zu Nassau-Saarbrücken vollzogene Einziehung“ sowie die 1754 erfolgte „Allgemeine Reservation“, d. h. die rechtlich fundierte Inbesitznahme aller Kohlengruben und Abbaufelder, können als eigentlicher Beginn der systematischen, wirtschaftlichen und rationellen Steinkohlengewinnung im Land an der Saar angesehen werden. An die Stelle der planlosen Kohlengräberei am Flözausgehenden trat nunmehr ein kunstgerechter Abbau, verbunden mit wirksamer Wasserlösung. Vor allem aber steht der saarländische Steinkohlenbergbau von diesem Zeitpunkt an unter einheitlicher Leitung im Staatsbesitz, ein Umstand, der ihm ein von allen anderen Bergbaurevieren unterschiedliches, ureigenes Gepräge verliehen hat. 

Mittlerweile über 250 Jahre geregelter bergbaulicher Tätigkeit haben die geschichtlich gewachsenen, vorindustriellen Strukturen des Landes an der Saar grundlegend umgestaltet. Die sich mit ungeheurer Dynamik vollziehenden Wandlungsprozesse lassen sich in allen saarländischen Revierteilen, so dem zwischen Saarbrücken und Neunkirchen gelegenen Saarkohlenwald, dem Bereich um Ensdorf und der an Frankreich angrenzenden Waldlandschaft des Warndts, nachvollziehen. Vor allem aber in den Landschaftsteilen, in denen die kohlenführenden Schichten des Saarkarbons oberfl ächennah anstehen, also dem Saarkohlenwald und der karbonen Insel rund um Ensdorf, hat eine umfassende Umgestaltung der ehemals wirtschaftlich nicht bzw. kaum genutzten Kulturlandschaft in eine hochdifferenzierte, infrastrukturell dicht erschlossene Bergbaulandschaft stattgefunden. 

Der Steinkohlenbergbau als initiierende Kraft und Motor dieser Prozesse ist trotz der Tatsache, dass infolge der seit Jahrzehnten gesamtwirtschaftlich un günstigen Entwicklungen der Steinkohlenwirtschaft im Saarland lediglich das „Bergwerk Saar“ übriggeblieben ist, noch fast überall spür- und sichtbar. Als wichtigste Objekte und Zeugnisse der bergbaulichen Aktivitäten in den saarländischen Revierteilen müssen diesbezüglich die großfl ächigen Grubenareale mit ihren Tagesanlagen, die Vollformen der Bergeschüttungen sowie die entstandenen charakteristischen Siedlungsstrukturen angesehen werden. 

Die Anfänge des Saarländischen Bergbaus 

Sowohl während des landesherrlichen Betriebs der Gruben zwischen 1751 und 1793 als auch in der Napoleonischen Zeit zwischen 1793 und 1815 ist die wirtschaftliche Bedeutung des Bergbaus trotz der Einführung zahlreicher technischer Innovationen als gering einzuschätzen. 1773 waren beispielsweise in insgesamt 45 Stollenbetrieben lediglich 141 Bergleute angelegt. Die Gesamtförderung betrug 1790 gerade einmal 45.000 Tonnen. Mit der Übernahme der Gruben durch den Preußischen Bergfi skus, nur ein kleiner Teil des Saarreviers fiel in Folge der Bestimmungen des Pariser Friedens an das Königreich Bayern, wurden vielfältige Veränderungen eingeleitet und umgesetzt. Organisation und Zuständigkeiten im Bergbau erhielten eine neue Gliederung. Die systematisch betriebene Bestandsaufnahme aller Grubenbetriebe fand ihren Niederschlag in der Schaffung größerer, effektiver arbeitender Betriebseinheiten. Präzise Markscheideraufnahmen der bestehenden Gruben und Prospektionen führten zu vorteilhafteren Vorrichtungsmaßnahmen der in Förderung stehenden Gruben. Vor allem aber wurden das Wegenetz erheblich erweitert und ab l828 Dampfmaschinen in größerem Umfang auf den Gruben eingesetzt. 

Die Auswirkungen dieser vom preußischen Wirtschaftsgeist zusätzlich geförderten und beeinflussten Aktivitäten waren zunächst noch recht bescheiden. Die Zahl der Belegschaft erhöhte sich von 917 Bergleuten im Jahr 1816 über 1.383 Grubenarbeiter in 1835 auf 3.348 im Jahr 1845. Die Förderzahlen stiegen in den gleichen Bezugsjahren von knapp 100.000 Tonnen über 207.000 Tonnen auf knapp über 528.000 Tonnen Steinkohlen. Die Verteilung der Bevölkerung wurde um 1820 im Wesentlichen noch durch die Produktionskraft des Bodens und somit seine Eignung für die Landwirtschaft bestimmt. Die späteren bergbaulichen Schwerpunkträume waren demzufolge noch überwiegend siedlungsfrei. Bis 1840 betrug der Bevölkerungszuwachs für die Waldlandschaft auf produktivem Karbon zwar 84 Prozent. Dennoch führte das Anwachsen der wenigen Siedlungen mit ihren insgesamt jetzt 8.800 Bewohnern, die sich zudem in der Tallage des Sulzbachs konzentrieren, noch zu keiner wesentlichen Änderung des Erscheinungsbildes der Landschaft. 

Der Bergbau wird an der Saar zum Wirtschaftsfaktor 

Dieses änderte sich grundlegend im Zeitraum zwischen 1840 und 1871. Beispielsweise erhöhte sich die Bevölkerungszahl im Saarkohlenwald landesweit überdurchschnittlich auf nunmehr 41.000 Einwohner, was einer Bevölkerungsdichte von 331 Einwohnern pro Quadratkilometer entspricht. Fast 20.000 Bergarbeiter, die über 4 Mio. Tonnen Kohle fördern, sind 1871 beim Preußischen Bergfiskus beschäftigt. Zurückzuführen war der Mitte des 19. Jahrhunderts boomartig einsetzende Aufschwung der Kohlewirtschaft auf die Anwendung und das Wirksamwerden zweier technischer Innovationen. Der Übergang vom oberflächennahen Stollenbau zum Tiefbau in Form des Schachtbaus ermöglichte jetzt die Erschließung der großen, tiefer gelegenen Lagerstättenteile. Die Eisenbahn löste in Verbindung mit der zwischen 1862 und 1879 durchgeführten Kanalisierung der Saar das Transportproblem und erschloss zudem neue Absatzmärkte. Ihr dichtes Streckennetz steigerte die infrastrukturelle Ausstattung der saarländischen Revierteile entscheidend. Sichtbarer Ausdruck der beschriebenen Entwicklung ist das Entstehen der so genannten „Eisenbahngruben“ wie z.B. der Anlagen Heinitz, Dechen, Reden, Altenwald, Dudweiler, Von der Heydt, Maybach, Friedrichsthal, Itzenplitz, König oder Kohlwald. 

MadenfelderhoF

Madenfelderhof: Milieuszene aus der Bergarbeiterkolonie (1926).

Neunkirchen Grube König

Neunkirchen-König: Landwirtschaft und Industrie - Der Bergmannsbauer (1947). 

Das bergmännische Siedlungswesen – seine historischen Grundlagen 

Um die neuen Kapazitäten in vollem Umfang nutzen zu können, fehlte es schon bald an einem ausreichenden und qualifizierten Reservoir von Arbeitskräften. Zunächst bemühte sich die Bergverwaltung, das dringend benötigte Arbeitskräftepotenzial aus den damals bereits existierenden saarländischen Industriezentren, dann aus den umliegenden ländlichen Siedlungen anzuwerben. Aufgrund der ständig steigenden Produktions- und Fördermengen erweiterte sich jedoch der Einzugsbereich der Grubenbelegschaften schnell auf angrenzende Regionen wie den Hochwald, die Pfalz und die Eifel. Selbst Bergleute aus anderen Bergrevieren, wie beispielsweise dem Harz oder Schlesien, wurden angeworben. 

Nur ein geringer Anteil der Bergleute fand bei der einheimischen Bevölkerung als Einlieger oder „Kostgänger“ eine Unterkunft. Die meisten Grubenarbeiter pendelten anfangs täglich auf „Bergmannspfaden“, den so genannten „Schwarzen Wegen“, zwischen ihren angestammten Wohnorten und der Arbeitsstätte. Viele Stunden Fußmarsch waren die Regel, die diese „Hartfüßer“ viel von Ihrer Arbeitskraft und Gesundheit einbüßen ließ. Als Konsequenz daraus beschloss der Preußische Bergfi skus, letztlich auch zur Erhaltung des gewinnbringenden Leistungspotenzials der Arbeiter, gezielt Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen. Eine bergbauliche Siedlungspolitik wurde formuliert. In diesem Zusammenhang legte Leopold Sello, der Direktor des Bergamts Saarbrücken, in seinem Promemoria vom 26. November 1841 den konzeptionellen Grundstein für das fiskalisch geförderte Prämienhaus, also der direkten Wohnraumeigentumsbildung des Bergmanns. Gleichzeitig plädierte er jedoch auch für eine Vermehrung der Schlafsäle für fremde, meist unverheiratete Bergleute. Diese zukunftsorientiert auf Vermehrung der Belegschaft gerichtete Maßnahme konkretisierte Sello am 11. Februar 1842 in einem „Brief zur Unterbringung auswärtiger Bergleute in Schlafhäusern“. Darin rückte er von einem vorschnellen Herbeiziehen auswärtiger Leute ab und befürwortete stattdessen ein Rekrutieren unbeschäftigter Hände aus entfernten Gegenden in dem hiesigen Bezirke und eine Unterbringung in noch zu schaffenden Schlafsälen. „Diese Leute gehen Sonnabend in ihre Heimath, bringen Montags Lebensmittel für die ganze Woche mit und schlafen dicht gedrengt in den ihnen eingeräumten Zimmern“. Somit hatte Sello durch die Schlafhäuser den zweiten Fuß einer staatlich gelenkten Siedlungspolitik formuliert, die alleine auf dem ersten Fuß des dezentralisierten und nur mittelbar auf den Arbeitskräftebedarf der Gruben orientierbaren Prämienhauskonzeptes nicht hätte stehen können. 

Das Schlafhauswesen 

Mit der Überlegung des Baus von Schlafhäusern griff Sello die 1837 erstmalig aktenkundig gewordene Strategie auf, Bergleute in Schlafsälen unterzubringen. Bei diesen handelt es sich zunächst um so genannte „Schlafschuppen“. Die primitiven Baracken, in denen häufig über 200 Bergleute in einem Raum zusammengepfercht schlafen müssen, ähnelten riesigen Massenlagern, die keinerlei individuellen Freiraum ließen. Sie bestanden überwiegend aus nur einem großen Saal mit Holzpritschen und Strohsäcken, einigen Kämmerchen für die Aufseher und zwei Herden zum Kochen. Strenge Hausordnungen regelten das Leben im Schlafhaus. Die Bestimmungen dieser Hausordnungen sind gleichzeitig dahingehend zu werten, dass der Bergfiskus eine deutliche paramilitärische Kasernierung und Disziplinierung seiner Bergleute betrieb. In der am 7. April 1858 erlassenen ausführlichen Hausordnung für die Schlafhäuser der Königlichen Steinkohlengruben im Bergamtsbezirk Saarbrücken heißt es so im Paragraphen 1: „Sobald ein Arbeiter in dem Schlafhause angekommen ist, steht er unter der Aufsicht des Hausmeisters, dem er in allen Angelegenheiten des Hauses Gehorsam schuldig ist“. Im gleichen Kontext ist die Ausstattung der Schlafhäuser, was den Bilder- und Wandschmuck anbetraf, zu interpretieren. Die Wände des 1874 erbauten Schlafhauses IV der Grube Heinitz waren mit den Bildern des Kaisers sowie verschiedener Bergbeamter, Prinzen, Generäle und Politiker sowie mit zwei Schilden, auf denen bergmännisches Gezähe abgebildet war, geschmückt. Zudem waren Sprüche und Losungen wie: „Deutschland, Deutschland über Alles, über Alles in der Welt, wenn es stets zu Schutz und Trutz brüderlich zusammenhält, Willst du borgen, komme morgen, Nur fein mäßig wackere Knaben, die das Leder hinten haben“ und „Ein guter Trank aus Gerst und Hopfen, das sind die besten Wundertropfen“, zu lesen. 

Bis zum Ende der Preußischen Ära wurde das Konzept der Sammelunterkunft des Schlafhauses ständig modifiziert und den gestiegenen Wohn- und Unterbringungsansprüchen der Belegschaft angepasst. Der Schlafhaustyp der Repräsentativen Schlafkaserne ist durch die beiden in Von der Heydt erhaltenen Schlafhäuser I (1873-1875) und II (1886), für 250 bzw. 288 Bergleute ausgelegt, dokumentiert. Das 1911/12 im so genannten „Pavillon Stil“ errichtete Schlafhaus in Maybach belegt hingegen als letztes preußisches Schlafhaus im Land an der Saar die Spätphase des Schlafhauswesens. 

Von der Heyd

 Von der Heydt: Ansicht der Schlafhäuser (1905). 

Von der Heydt Vom Leben im Schlafhaus.png

Von der Heydt: Vom Leben im Schlafhaus (1905). 

 Mit dem Ende der Phase der preußischen fi skalischen Saargruben ging gleichzeitig infolge des sich nun allgemein durchsetzenden öffentlichen Nahverkehrs auch das Schlafhauswesen seinem Ende entgegen. 1920 errichteten die Mines Domaniales Francaises de la Sarre auf der Sulzbacher Grube Mellin ein letztes großes Schlafhaus. Die Bedeutung des Schlafhauswesens kann insgesamt gesehen jedoch nicht hoch genug eingeschätzt werden und wird aus folgenden Zahlen begreifbar. 1868 waren in 22 Schlafhäusern 4.010 Bergleute angelegt. 1910 existierten gar 39 Schlafhäuser mit knapp 5.000 Einliegern. 

Das Prämienhaussystem 

Die Bergverwaltung, allen voran Oberberghauptmann Heinrich von Dechen, hatte sehr früh er kannt, dass man „mit Schlafhäusern allein keine Bergmannsfamilien begründen und keinen ordentlichen Arbeiterstand vermehren“ konnte. Ab 1837 diskutierte das Bergamt als wünschenswerte Dauerlösung den Bau von Eigenheimen, wozu Forstgrund sowie Bauvorschüsse aus der Knappschaftskasse zur Verfügung gestellt werden sollten. Das diesbezüglich von Leopold Sello entworfene und bereits bezeichnete „Projekt des staatlich geförderten Prämienhauses blieb, wenn auch in Teilaspekten mehrfach modifiziert, bis 1918 in seinen Grundsätzen bestehen. Nach Sellos Vorschlag sollte zunächst eine Prämie von 25 bis 40 Talern jedem Bergmann bewilligt werden, der nach einem vom Bergamt genehmigten Plan ein neues Haus baut. Die Höhe dieser Prämie, die den mit ihrer Hilfe errichteten Häusern die Bezeichnung Prämienhaus eingebracht hat, sollte sich an den am jeweiligen Bauort geltenden Grundstückspreisen orientieren. Zunächst wurde der Hausbau vor allem an Orten gefördert, an welchen die Vermehrung der Arbeiter am meisten nötig ist. Gemeint ist hiermit ein bestimmter Umkreis um die fördernden Gruben und Nebenanlagen, der später in den so genannten „Baurayons“ seine Festlegung gefunden hat. 

Völklingen Ludweiler

Völklingen-Ludweiler: Frühes Prämienhaus mit kleinem Wirtschaftsteil. 

Luisenthal

Luisenthal: Scheitelstein an Prämienhaus

Die Kosten für ein Einfamilienhaus wurden zum damaligen Zeitpunkt mit ungefähr 400 Talern veranschlagt. Die Prämie betrug in der Regel 6 bis 10 Prozent der Baukosten. Neben dieser Prämie schlug Sello in seinem Bericht die Bewilligung eines Darlehens von 100 bis 150 Talern zu 4 Prozent Zinsen für das Jahr gegen Handschein (Schuldschein) und gegen Verpfändung des Hauses (Hypothek, Grundschuld) vor. Dieses Darlehen sollte in monatlichen Raten von 1 bis 2 Talern vom Lohn direkt einbehalten werden. Es wird zwar nicht näher gesagt, aber es ist anzunehmen, dass in diesen Raten Zinsendienst und Tilgung enthalten sind. Für die Vergabe der Prämien entwickelte das Bergamt in der Folge exakte Auswahlkriterien. Der Begünstigte musste ständiger Bergmann oder unständiger Bergmann sein, dessen Vater ständiger Bergmann war. Ein ständiger Bergmann musste die Bürgschaft übernehmen. Weitere Auflagen wie beispielsweise das positive Urteil des Schichtmeisters über die Persönlichkeit des Antragsstellers, sein generelles Verhalten, seine häusliche Situation und das Vermögen des Antragsstellers konnten den Erfolg dieses Konzepts nicht mindern. Bis zur Einstellung des Prämienhaussystems unter der Mines Domaniales Françaises de la Sarre entstanden in Anlehnung an bereits existierende Orte sowie in speziell errichteten Prämienhauskolonien nahezu 8.000 Prämienhäuser. Diese spiegeln in ihrer Außenwand- und Innengestaltung den ständig wachsenden Wohnraum- bedarf und die veränderten Wohnansprüche der Besitzer wider. Die frühen Prämienhäuser des „Typs 1“ von 1842 bestanden lediglich aus einer Stube, zwei kleinen Kammern und einer im Flur integrierten Küche und waren über einer Grundfläche von gerade einmal 40 Quadratmetern errichtet. 1903 errichtete Prämienhäuser hingegen hatten bereits einen Flächeninhalt der Wohnräume von 81 Quadratmetern. Hinzu kam, dass auch im Dachgeschoß weiterer Wohnraum geschaffen worden war. Mehrere Zimmer und eine nunmehr separate Küche waren in dem fünfachsigen Bau untergebracht, der auch in der aufwendigen Fassadengestaltung den Stolz und den Eigenanspruch des Besitzers widerspiegelte. 

Das bergbauliche Mietshauswesen 

Die Siedlungspolitik Leopold Sellos beschränkt sich nicht auf die Förderung des Prämienhausbaus. Sello wollte auch, ähnlich wie in außersaarländischen Industrierevieren, den Bergleuten Mietshäuser bereitstellen. Allerdings ergaben seine Berechnungen 1841, dass die Baukosten und die daraus resultierenden Mieten zu hoch wären, und der Plan wurde wieder ver worfen. So kam es erst im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, als ein plötzlicher Konjunkturaufschwung -zwischen 1890 und 1910 erhöhte sich die Belegschaft von 29.340 auf 53.561 Mann und die Förderung stieg von 6.212.540 Tonnen auf 10.833.428 Tonnen- und die erneute Heranziehung auswärtiger Arbeitskräfte eine Wohnraumknappheit entstehen ließen, zum Bau von Mietshäusern in größerem Umfang. Durch ein Gesetz vom 13. August 1895 wurde von der preußischen Regierung die Bewilligung von Staatsmitteln zur Verbesserung der Wohnverhältnisse der Arbeiter und der gering besoldeten Beamten beschlossen. Der Bergfiskus nahm diese staatlichen Mittel in Anspruch, um durch den Bau von Mietwohnungen die Wohnsituation im Saarkohlenrevier zu verbessern. Trotzdem erreichte der Umfang des Mietshausbaus längst nicht die siedlungsgeschichtliche Bedeutung wie etwa im Ruhrgebiet oder im ostlothringischen Kohlebecken. Im Saarrevier entstanden auch nicht die typischen Mietskasernen der Gründerzeit, wie sie in anderen Industrieregionen gebaut wurden. 

Die fiskalischen Mietshäuser wurden in Größe und Baustil der ländlichen Siedlungsstruktur des Saarlandes angepasst. Überwiegend entstanden Zweifamilienhäuser, die über eine Gartenparzelle mit einem Hofgebäude, das unter anderem die Kleintierhaltung möglich machte, verfügten. In den neu errichteten Mietshauskolonien spiegeln sich der damalige Zeitgeist sowie das Selbst- und Standesbewusstsein des Bergbaubetreibers wider. Direktorenvillen, Beamtenhäuser, Arbeiterhäuser und Schlafhäuser sind innerhalb des Siedlungsgefüges deutlich voneinander abgegrenzt. Zusätzlich lassen Größe und Ausgestaltung der Gebäude auf die soziale Stellung des jeweiligen Bewohners innerhalb der Werkshierarchie schließen. Standen einer Beamtenfamilie im Durchschnitt 100 qm bewohnbare Fläche zur Verfügung, so musste sich ein Arbeiter mit seiner Familie mit rund 65 qm begnügen. Geht man von einer damals üblichen Familiengröße von sechs Personen aus, standen dem Mitglied einer Beamtenfamilie rund 16 qm, dem Mitglied einer Arbeiterfamilie dagegen nur 10 qm Wohnfläche zur Verfügung. Die beschriebenen Phänomene lassen sich exemplarisch an den unter Denkmalschutz stehenden Werkssiedlungen Göttelborn, Reden, Maybach und Von der Heydt sowie am Siedlungsensemble des Bergwerks Camphausen beobachten. Die infrastrukturellen Einrichtungen in diesen Kolonien, wie zum Beispiel die Kaffeeküchen oder die Bergkirchen, veranschaulichen ebenso wie die fiskalisch geförderten Sozial- und Wohlfahrtseinrichtungen, z.B. die Kleinkinderbewahranstalten, die Industrie- und Haushaltsschulen oder die Werksschulen, den allumfassenden Anspruch des Bergbaubetreibers. Bis 1918 errichtete die preußische Verwaltung 452 Mietshäuser. Mit den Gebäuden, die der Bergfiskus angekauft hatte, vermietete die Grubenverwaltung zu dieser Zeit 862 Mietshäuser mit insgesamt 1.224 Wohnungen. 

Madenfelderhof Gesamtansicht

Madenfelderhof: Gesamtansicht der französischen Mietshaussiedlung

Reden Schachtstraße

Reden: Im preußischen Mietshausensemble „Schachtstraße“. 

Das Wohnungswesen der Mines Domaniales Francaises de la Sarre und der Saargruben AG 

Mit der Übernahme der Saargruben in die französische Verwaltung erfuhr die gesamte bisherige Art der Wohnungsfürsorge nach 1918 eine grundlegende Änderung. Die französische Grubenverwaltung vertrat die Ansicht, dass es angesichts der sehr hohen Baukosten der Nachkriegsjahre nicht angebracht sei, das alte Prämiensystem des preußischen Bergfiskus weiterzuführen. Sie zog es vor, aus eigenen Mitteln Wohnungen zu bauen, die Eigentum des Unternehmens blieben. Daneben wurde die Knappschaft aufgefordert, die schon früher eingeschlagene Darlehenspolitik erneut aufzugreifen. Die Bergverwaltung gewährte der Knappschaft zur Erleichterung der Kreditgewährung Vorschüsse. Von 1922 bis 1932, also bis zu dem Zeitpunkt, da die Darlehensgewährung mangels verfügbarer Finanzierungsmittel eingestellt wurde, kamen 3.598 Bergleute in den Genuss eines Darlehens. Der bauwillige Bergmann musste Besitzer einer Baustelle sein und über ein gewisses Eigenkapital oder bereits bezahlte Baumaterialien verfü gen. Er erhielt ein Darlehen in Höhe von bis zu 30.000 Franken, das innerhalb von 20 Jahren mit 7 Prozent Zinsen und Amortisation durch Lohnabzug zu tilgen war. Die Grubenverwaltung und die Knappschaft lieferten die Baupläne und berieten den Bergmann bei seinem Bauvorhaben. 

Die im Besitz des Deutschen Reiches befindliche Saargruben AG wollte nach 1935 die traditionelle Politik der Baudarlehen wieder aufnehmen. Der Zweite Weltkrieg setzte dieser Absicht ein rasches Ende. Die Bauförderung wurde auf dreierlei Weise betrieben. Es kam zum einen zum Bau von Werkswohnungen, die sofort nach ihrer Fertigstellung an Belegschaftsmitglieder veräußert wurden. Es wurden zum anderen Bau- und Finanzierungshilfen gegeben. Und schließlich beteiligte sich der Bergbau an der Finanzierung der mit Hilfe einer Baugesellschaft errichteten Häuser. Zunächst wurden vier geschlossene Siedlungen errichtet und ihre 88 Häuser zum Preis von 7.500 Mark an Bergleute abgegeben. Die Käufer finanzierten die Kaufsumme zunächst mit Darlehen von Kreditinstituten, wobei der Rest durch Eigenkapital und ein Darlehen der Saargruben gedeckt wurde. Die Darlehensrückzahlungen -über Lohnabzug- erstreckten sich über eine Zeitdauer von 30 Jahren. Den Vorteil dieses Verfahrens kann man in den gegenüber einer monatlichen 60-Mark - Miete für eine Dreizimmerwohnung niedrigen Rückzahlungsbeträgen von 30 bis 35 Mark sehen. Der Nachteil bestand darin, dass der Bergmann kaum älter als 35 Jahre sein durfte, soweit er nicht über ein größeres Eigenkapital verfügte. 

Die gleichen Finanzierungsmöglichkeiten boten sich den Bergleuten, die selbst bauen wollten. Hier konnte das Eigenkapital teilweise durch Eigenleistung ersetzt werden. Die Ausfertigung der Baupläne und die Bauberatung übernahm die Saargruben AG. Insgesamt wurden auf diese Weise rund 350 Wohnungen errichtet. Der Saarbergmann konnte auch mit Hilfe einer Baugesellschaft, der Pfälzischen Heimstätte, zu einem eigenen Haus gelangen. Die Beteiligung der Saargruben bestand aus einem zinslosen Darlehen in Höhe von 700 Mark, das jährlich mit 5 Prozent zu amortisieren war. Dieser Darlehensbetrag entsprach dem von der Heimstätte geforderten Kapitalbeitrag. 800 Bergleute machten von dieser Möglichkeit Gebrauch. Insgesamt betrachtet, hatte die Wohnungs- und Siedlungspolitik im Saarbergbau von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zum Ergebnis, dass insgesamt rund 11.300 Bauvorhaben von Bergleuten gefördert worden waren. 

Madenfelderhof

Madenfelderhof: „Kolonisten“ in einer Doppelhaushälfte der Mietshaussiedlung (um 1925). 

Die Eigenheimförderung nach 1945 

 Nach dem Zweiten Weltkrieg führte der Ausfall von Wohnraum durch Kriegszerstörungen besonders in den Ballungsräumen zu einer erheblichen Wohnungsnot. Der Vorkriegsbestand von 230.000 Wohnungen an der Saar verringerte sich bis Kriegsende um 35.000 Wohneinheiten. Viele Bergmannsfamilien hatten ihr Heim verloren und mussten vielfach mit nur notdürftigen Unterkünften vorlieb nehmen. Erst nach der Währungsumstellung im Jahre 1947 konnte an die Wiederaufnahme der Bautätigkeit gedacht werden, da das Geld vorher keine Kaufkraft besaß und die Wirtschaft noch nicht in Gang gekommen war. Viele Saarbergleute begannen zu bauen. Meistens aber waren, wenn der Rohbau stand, die Eigenmittel erschöpft und die Bauherren wandten sich mit der Bitte um ein Darlehen an die jetzt wieder französische Grubenverwaltung, die „Regie des Mines de la Sarre“, die dann im Herbst 1948 bei der französischen Regierung für die ersten Maßnahmen auf dem Gebiet des sozialen Wohnungsbaus einen Kredit in Höhe von 200 Millionen Franken erwirkte. Im Frühjahr 1949 wurden noch einmal 150 Millionen Franken bewilligt. Für eine breit angelegte Darlehensaktion waren damit jedoch noch nicht genügend Kredite verfügbar. 

Die Stiftung für Wohnungsbau der Bergarbeiter 

Zeitgleich kam es zwischen den Gewerkschaften und der Grubenverwaltung zu Verhandlungen über die Zahlung eines Wohnungsgeldes an verheiratete Belegschaftsmitglieder. Angesichts der vielen Bauinteressenten in der Belegschaft kamen die Tarifparteien überein, das der verheirateten Arbeiterbelegschaft zugebilligte Wohnungsgeld nicht unmittelbar an die Berechtigten auszuzahlen, sondern auf unbestimmte Zeit einem Fond zur Gewährung von Baudarlehen zur Verfügung zu stellen. Dieser Fond entwickelte sich zu einer bedeutenden sozialen Einrichtung, die im europäischen Bergbau ihres gleichen sucht. Die Rede ist von der Stiftung für Wohnungsbau der Bergarbeiter, die am 12. Oktober 1949 als rechtsfähiger Vermö gensträger gegründet wurde. Nach Genehmigung der Satzung durch die Regierung wurde das Oberbergamt als Aufsichtsbehörde eingesetzt. Die Saarknappschaft übernahm die Kassenführung und die Regie des Mines de la Sarre die Geschäftsführung der Stiftung. In Zusammenhang mit der Gründung der Stiftung erklärten sich die Saargruben bereit, einen der Höhe des von den Bergleuten für Baudarlehenszwecke abgeführten Wohnungsgeldes entsprechenden Betrag dem Baudarlehensfonds der Saargruben zur Verfügung zu stellen. 

Die Stiftung für Wohnungsbau der Bergarbeiter konnte im Jahr 1966 eine eindrucksvolle Bilanz vermelden. Bis zum 31. März 1965 hatten 6.278 Bergleute von der Stiftung Baudarlehen in Höhe von 47.875.227 DM erhalten. Hinzu kamen in der gleichen Zeitspanne 7.170 Belegschaftsmitglieder, denen 74.756.923 DM als Darlehen aus dem Baudarlehensfond des Unternehmens gewährt worden waren. Insgesamt hatten die beiden Krediteinrichtungen an 13.448 Belegschaftsmitglieder 122.632.150 DM Darlehen zur Finanzierung sowohl von Wohnungsneubauten als auch für den Um- oder Wiederaufbau gezahlt. Die Beleihungsprogramme wurden im Laufe der Zeit auch auf Objekte ausgedehnt, die nicht der unmittelbaren Gewinnung von neuem Wohnraum dienten. Der Kreis der Darlehensempfänger sollte dadurch möglichst groß gezogen werden. Der Vorstand der Stiftung beschloss deshalb im Jahr 1952, einen der Stiftung durch Gesetz zugewiesenen Sonderkredit zur Darlehensgewährung in bestimmten Sonderfällen zu verwenden. Damit wurde neben der Härtemilderung auch das Ziel angestrebt, die Förderung des Eigenheimgedankens in einem möglichst weiten Umfang zu betreiben. Seit 1958 beteiligte sich der „Baudarlehensfonds Saarberg“ an den Sonderdarlehensaktionen, die in der Hauptsache solchen Bergleuten Darlehen gewährten, die in dichtbesiedelten Gebieten wohnten, die vorhandenen Räume wohnbar machten oder die Häuser im Zuge einer Erbauseinandersetzung ankaufen wollten. 

Die Eigenheimförderung für Einzelbauende 

Bauwilligen Belegschaftsmitgliedern wurden im Rahmen jährIicher Darlehensprogramme, die von der Arbeitsdirektion - Abteilung für Wohnungsbau und Siedlungswesen ausgeschrieben wurden, unverzinsliche Baudarlehen gegeben. Voraussetzung für die Gewährung eines Darlehens war unter anderem der Besitz eines lastenfreien Grundstücks und der Nachweis von 10 Prozent der Bausumme als Eigenkapital. Neben den Darlehen von Saarberg und Stiftung wurden in der Regel zur Restfinanzierung der Bauvorhaben öffentliche Mittel und später auch Mittel der knappschaftlichen Rentenversicherung in Anspruch genommen. Die Saarbergwerke AG entwarf für bauwillige Belegschaftsmitglieder eine Reihe von Haus-Typenplänen, die den Bauherren kostenfrei zur Verfügung gestellt wurden. Die bautechnische und verwaltungsmäßige Betreuung der Bauvorhaben der Bergleute durch die Saarbergwerke begann beim Finanzierungsplan und endete mit der letzten Baurechnung. 

Die Bauinteressengemeinschaften und die Bauvereine 

Nicht alle bauwilligen Belegschaftsmitglieder waren in der Lage, als Einzelbauende ein Eigenheim zu errichten. In der Regel handelte es sich um Belegschaftsmitglieder, die in den dichtbesiedelten Industriegemeinden in ungünstigen Wohnverhältnissen lebten. Oftmals waren sie nicht in der Lage, in den städtischen Wohngebieten wegen der dort hohen Lebenshaltungskosten das erforderliche Eigenkapital zu bilden und einen geeigneten Bauplatz zu erwerben. Um auch diesen bauwilligen Bergleuten die Errichtung eines Eigenheims zu ermöglichen, hatte das Bergbauunternehmen eine Sonderregelung getroffen. Die Bergleute schlossen sich in Bauinteressengemeinschaften (BIG) zusammen und bauten Siedlungen auf Gelände, das ihnen von den Kommunalverwaltungen überlassen wurde. War die Beschaffung von geeignetem Bauland auf diese Weise unmöglich, wurde den BIG auch Bergbauliegenschaften zu günstigen Konditionen überlassen. Nach Klärung der Baulandfrage wurde dann in enger Zusammenarbeit mit den Stadt- bzw. Gemeindebauämtern der Bebauungsplan aufgestellt. 

Die Bauinteressengemeinschaften erhielten in der Regel die Rechtsform eines eingetragenen Vereins. Die Mitgliederversammlung wählte aus ihrer Mitte einen Vorstand, der den Verein leitete. Voraussetzung für die Mitgliedschaft war der Nachweis von Eigenmitteln, die ausreichend sein mussten, um den Bauplatz zu finanzieren. Das außerdem noch notwendige Eigenkapital konnte im Laufe der Bauzeit angespart werden. Die Bauvorhaben wurden in Gemeinschaftsarbeit -und zwar weitgehend in Form tätiger Selbsthilfe- errichtet. Während sich die unentgeltliche Betreuung des Unternehmens bei Einzelbauenden auf die Leitung und Kontrolle der Bauarbeiten, die Regelung des Zahlungs- und Rechnungsverkehrs und die Beratung des Bauherrn in technischen und kaufmännischen Dingen erstreckte, wurden bei Bauinteressengemeinschaften und bei den in loserer Form zusammengeschlossenen Bauvereinen außerdem die Planungsarbeiten übernommen und alle erforderlichen Baugeräte und -maschinen kostenlos zur Verfügung gestellt. Das Unternehmen bemühte sich darüber hinaus -unterstützt von der öffentlichen Hand- um die Finanzierung der Bauvorhaben. 

Neuweiler

Neuweiler: Einweihung der BIG Neuweiler am 02. Oktober 1965. 

 

Zusammenfassung und Rückschlüsse 

Es bleibt festzuhalten, dass der Steinkohlenbergbau das Land an der Saar in vielerlei Hinsicht entscheidend geprägt hat. Innerhalb der entstandenen bergbaulichen Kulturlandschaft sind die Zeug nisse und Objekte des bergbaulichen Siedlungswesens als wertvolle und wichtige Informationsträger für bestimmte industrielle, politische, soziale und gesamtgesellschaftliche Sachverhalte und Phänomene zu bewerten und zu interpretieren. Prämienhäuser, Schlafhäuser und Mietshäuser spiegeln das Selbstverständnis des jeweiligen Betreibers der Saargruben und der Hausbewohner wider. Die verwendeten Architekturen legen zudem Zeugnis über frühere Lebenswelten ab, die von Abhängigkeit, aber auch von gewissem „Wohlstand“ gezeichnet und charakterisiert sind. Lebensweisen und Gewohnheiten bis hin zur Ausprägung spezieller Wesenszüge der im Saarland lebenden Menschen lassen sich an ihnen ablesen und auf sie zurückführen. Schlafhäuser, Prämienhäuser und Mietshäuser sind zudem unter architektonischen Gesichtspunkten zu behandeln. Auf der einen Seite sind von den jeweils zuständigen Regierungen und Berggesellschaften vor gegebene Architekturkonzepte umgesetzt worden, auf der anderen Seite haben regionale und spezifische räumliche Besonderheiten Berücksichtigung und Eingang in die entwickelten Baukonzepte und schemata gefunden. Die beschriebene bergbauliche Siedlungspolitik war zudem richtungsweisend für den Wohn- und Siedlungsbau anderer saarländischer Industrien, die die im Saarbergbau entwickelten Siedlungsstrategien teilweise in Gänze oder aber modifiziert übernommen haben. 

Die beschriebene bergbauliche Siedlungspolitik ist unter anderem für die Tatsache verantwortlich zu machen, dass das Saarland heute über den höchsten Eigenheimanteil in der Bundesrepublik Deutschland verfügt. Das Leben im eigenen Heim und der Besitz eines eigenen Hauses zählen mit Sicherheit zu den wichtigsten Dingen und Zielen der im Saarland lebenden Menschen. Das Beispiel der hier beschriebenen bergbaulichen Siedlungspolitik belegt also, dass heute vorfindbare Strukturen auf weit in der Vergangenheit zurückliegende Entscheidungen zurückführbar sind. Entsprechend ist das bergbauliche Siedlungswesen als besondere Kulturleistung unserer Region zu behandeln und zu würdigen. Das hat auch zu beinhalten, dass die heute noch mehr oder weniger unverändert erhaltenen und somit aus sagekräftigsten Zeugnisse und Objekte des Schlaf- haus-, Prämienhaus- und Mietshauswesens erhalten und gepflegt werden sollten. Der Verlust an diesbezüglicher Bausubstanz hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten einen besorgniserregenden Umfang angenommen. Deswegen muss es zu den Aufgaben einer geschichtsorientierten und den historischen Wurzeln des Saarlandes sich verpflichtet fühlenden saarländischen Politik gehören, diesen charakteristischen Phänomenen unserer industriellen Vergangenheit jetzt und in der Zukunft besondere Beachtung zu schenken.

Delf Slotta 

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