Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge

Sektionen

Sie sind hier: Startseite / Geschichte / Stiftung für Wohnungsbau der Bergarbeiter 1949 - 1989 / Die saarländische Lösung des Wohnungsproblems der Bergarbeiter

Die saarländische Lösung des Wohnungsproblems der Bergarbeiter

Bauinteressengemeinschaften und Bauvereine

Der Bergmannswohnungsbau spielt im Saarland seit über 150 Jahren eine bedeutende Rolle. Dabei stand und steht der Gedanke der Eigenheimförderung bis heute im Mittelpunkt. Die einzelnen Eigentümer der saarländischen Gruben haben zwar innerhalb der historischen Entwicklung verschiedentlich eine andere Wohnungsbaupolitik betrieben, aber der Grundgedanke ist bis heute bestimmend geblieben.

Damit stehen die saarländischen Bergleute im Gegensatz zu den Beschäftigten anderer Montanreviere, wie zum Beispiel dem Ruhrgebiet, wo traditionell Kolonien und damit Werkswohnungen das Bild prägen. Im Saarland werden Werkswohnungen hingegen nur bis in die 60er Jahre gebaut und zudem noch in erheblich geringerem Umfang als an der Ruhr.

Eine spezielle Form der hiesigen Eigenheimförderung nach dem Zweiten Weltkrieg bilden die Bauinteressengemeinschaften (BIG) und Bauvereine (BV). Diese Vereinigungen stellen innerhalb des Bergmannswohnungsbau eine Neuerung dar, die zudem wohl als "Saarland­typisch" angesprochen werden kann. Es gibt zwar auch in anderen Gebieten nach Kriegsende Selbsthilfevereinigungen , deren Mitglieder ihre Häuser in Eigenleistung erstellten, aber es ist wohl einmalig, daß diese Form des Wohnungsbaus von einem großen Unternehmen in diesem Umfang gefördert wird.

Konzept, Struktur und Funktion der Bauinteressengemeinschaften und Bauvereine

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges herrschte im dichtbesiedelten Kernraum des Saarlandes großer Wohnungsmangel. Daher war hier die Schaffung von Wohnraum eine vordringliche Aufgabe. Aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel und der schwierigen wirtschaftlichen Situation konnten die bau­willigen Bergleute weder einen Architekten noch einen Bauträger - so wie es heute beim Neubau allgemein üblich ist ­ hinzuziehen, sondern mußten aus eigener Kraft beginnen.

Insgesamt betrachtet war aber die Zahl der Bergleute, die in den Zentren der Wohnungsnot lebten und bei der 1948 gegründeten Baudarlehensabteilung der Regie des Mines einen Bauantrag stellten, im Verhältnis zur Zahl der Bergleute in den Landgemeinden gering. Die Gründe hierfür lagen in den Voraussetzungen für die Darlehensgewährung: so mußte der Bergmann ein Eigenkapital von 1/5 der Bausumme in bar oder in Baumaterialien nachweisen.

Da die Lebenshaltungskosten im städtischen Bereich höher lagen (höhere Mieten, keine Möglichkeit zu landwirtschaftlichem Nebenerwerb und Eigenversorgung) als im ländlichen, konnte hier weniger Geld angespart werden. Außerdem hatte der Antragsteller nachzuweisen, daß er Eigentümer eines lastenfreien Baugrundstücks war, was der "städtische" Bergmann aber selten vermochte. Auch die finanzielle und tätige Mithilfe von Eltern, Verwandten oder Freunden spielte eine sehr viel geringere Rolle als im ländlichen Raum.

Um den geschilderten Mißstand zu beseitigen, entschloß sich die Unternehmensleitung, ein besonderes System zu schaffen, das in den Zentren der Wohnungsnot lebenden Belegschaftsmitgliedern helfen sollte, zu einem Eigenheim zu gelangen: man schritt zur Gründung von Bauinteressengemeinschaften. Dabei dienten die bereits bestehenden Ketteler- oder sonstigen Bauvereine als Vorbild.

Zunächst half das Unternehmen den Vereinen, das notwendige Baugelände zu beschaffen. Die Grubenverwaltung selbst verfügte nur selten über geeigneten Grundbesitz. Sie versuchte daher, durch Verhandlungen mit Gemeinden oder Forstverwaltungen Bauland zu erwerben. Dies war häufig mit Schwierigkeiten verbunden, da die Gemeinden den Verkauf von Baugelände von Beiträgen zu den Erschließungskosten abhängig machten.

Die Grubenverwaltung übernahm die Planung und betreute den Bau der Siedlungen für die einzelnen Bauinteressengemeinschaften, die in der Regel die Rechtsform eines eingetragenen Vereins erhielten. Sie stellte unter anderem in Zusammenarbeit mit Stadt- und Gemeindebauämtern auch den Bebauungsplan auf. Darüberhinaus lag die Gestaltung der einzelnen Häuser weitgehend in ihrer Hand: der Bauwillige war an den vom Unternehmen entworfenen Typenplan gebunden. Bei der Gesamtplanung der Siedlung bemühte man sich, das Baubild nicht monoton erscheinen zu lassen, indem man z.B. die Geländeverhältnisse ausnutzte. Dieses Ziel konnte allerdings nicht immerverwirklicht werden - zum einen wegen der Größe der Siedlungen (BIG-I Neuweiler (1952-1957) mit 120 Häusern, BIG-I Dudweiler (1952-­1957) mit 117, BIG-I Heiligenwald (1953-­1959) mit 116, BIG Hühnerfeld (1963-­1966) mit 80 Häusern), zum anderen, weil aus Gründen der Kostenersparnis nur ein oder zwei Haustypen verwandt wurden.

Neben der Planung übernahm die Grubenverwaltung die bautechnische Betreuung, die in erster Linie die Bauleitung auf der Baustelle umfaßte. Darüberhinaus kamen in der Anfangsphase der Gründung der BIG's und BV's die Beratung bei Ausschreibung und Vergabe der Aufträge, Verhandlungen mit den Unternehmern, Prüfung der Rechnungen u.a. Ziel dieser Hilfeleistungen war es, die Baukosten zu senken sowie das Bauvorhaben schnell und reibungslos durchzuführen. In den 50er und 60er Jahren stellte das Unternehmen den BIG's zusätzlich noch Baustelleneinrichtungen und Baugeräte kostenlos zur Verfügung. Später hat man diese Hilfen aber abgeschafft, da die Geräte und Maschinen bei der Rückgabe oft in desolatem Zustand waren und die Investitionskosten für Neuanschaffungen nicht mehr in Relation zum Nutzen standen.

Im Unterschied zu einzelbauenden Bergleuten werden die Mitglieder der BIG's bei der AntragsteIlung für ein Baudarlehen von der Nachweispflicht eines bestimmten Mindestkapitals entbunden. Statt dessen wird dem Bauwilligen die Möglichkeit eingeräumt, im Laufe der Zeit durch monatliche Beiträge in die Vereinskasse einen gewissen Betrag anzusparen. Das Unternehmen bzw. die Stiftung für Wohnungsbau der Bergarbeiter gibt der BIG ein langfristiges Darlehen, das zunächst gesamtschuldnerisch und später nach Abrechnung eines Bauabschnittes dem Bauherren als individuelles Darlehen gewährt wird. Behilflich ist die Grubenverwaltung auch bei der Beschaffung von Landes- bzw. Bundestreuhandmitteln sowie bei der Regelung des Zahlungs- und Rechnungsverkehrs. Darüberhinaus berät sie die Gemeinschaft in verwaltungstechnischen und rechtlichen Fragen.

Ein wesentliches Charakteristikum einer jeden Bauinteressengemeinschaft ist die Eigenleistung der einzelnen Mitglieder. Bei den ersten BIG's mußten die Bauherren noch eine sehr hohe Zahl an Arbeitsstunden erbringen, da die finanzielle Ersparnis durch eine erhöhte Eigenleistung damals noch sehr viel stärker im Vordergrund stand als heute. Als Beispiel mag die BIG Landsweiler-Reden (1960-1965) dienen: hier lag der Durchschnitt pro Bergmann bei knapp 5.000 Stunden.

Mit dem Anwachsen der Realeinkommen verlor die Eigenleistungen an Bedeutung: in einer internen Mitteilung der Saarbergwerke vom 1.10.1964 ist das Soll auf 1.500 Arbeitsstunden am Bau festgesetzt worden. Auch heute bewegen sich die Werte in dieser Größenordnung: bei der BIG-II in Heiligenwald (1984-1987) lag das Soll bei 1.700 Stunden.

Leistet ein Bauherr mehr als das Soll an Arbeitsstunden, so erhöht sich sein Eigenkapitalanteil dadurch, daß er pro Stunde einen festgelegten Betrag erhält, der auf das Darlehen angerechnet wird. Leistet er weniger, so benötigt er mehr Kapital, was später höhere Beträge bei der Darlehensrückzahlung erfordert. Die Bauvorhaben werden heute durchweg im Rohbau von Unternehmern erstellt, die die Bergleute - nach Maßgabe ihrer handwerklichen Fähigkeiten - im Rahmen der auszuführenden Arbeiten einsetzen. Beim Bau der größeren Siedlungen in den 50er und 60er Jahren faßte man jeweils mehrere Baustellen zu Bauabschnitten zusammen, die nacheinander in Angriff genommen wurden: waren die Gebäude eines Abschnittes im Rohbau fertiggestellt, begann man mit dem nächsten.

Die Vergabe der Objekte wurde bei den Bauinteressengemeinschaften unterschiedlich gehandhabt. Früher verfuhr man teilweise so, daß der einzelne Bergmann nach abgeleisteter Stundenzahl, eingetragenem Kapital, Familienstand (Anzahl der Kinder) und bisherigen Wohnverhältnissen mit Punkten bewertet wurde. Die Reihenfolge nach der Punktzahl bestimmte dann die Rangfolge bei der Zuteilung der Häuser. Hier trat nun das Problem auf, daß derjenige, der erst später in die Gemeinschaft eingetreten war, wenig Chancen hatte, eine hohe Punktzahl zu erreichen und auBerdem auch kaum mehr auf die Mithilfe der Übrigen rechnen konnte, da diese mittlerweile alle beim Innenausbau ihres eigenen Hauses beschäftigt waren. Ein anderes Verfahren war das Losverfahren: waren die Häuser im Rohbau fertig, so wurden sie unter den Mitgliedern verlost. Der Vorteil dieser beiden Systeme bestand darin, daß alle Bauarbeiten an den Häusern gleich "gut" ausgeführt wurden, solange keiner der Bauherren wußte, welches Haus ihm gehören würde. Allerdings gab es auch Schwierigkei­ten, da man nicht bestimmen konnte, wer wessen Nachbar wurde, was manch­mal zu Streitigkeiten unter den Bergleuten führte. Deshalb ging man dazu über, schon zu Beginn der Bauarbeiten festzulegen, wer welches Grundstück erhalten sollte; eine Praxis, die auch heute noch üblich ist.

Nach Gründung der Stiftung für Wohnungsbau der Bergarbeiter im Jahre 1949 erreichte die Bautätigkeit in den Siedlungen der BIG's und BV's Anfang der 50er Jahre ihr Maximum. Von Mitte der 50er bis Mitte der 60er Jahre trat ein zweiter Höhepunkt auf, der allerdings nicht mehr die Spitzenwerte der Frühphase erzielte. Danach nahm die Häufigkeit der Gründung von BIG's deutlich ab, was wohl vielfältige Ursachen hat. So ging die Belegschaftszahl in den 60er Jahren deutlich zurück. Ferner gewann der Wunsch, das Eigenheim in möglichst großer individueller Freiheit nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, immer mehr an Boden, was natürlich die Baukosten steigen ließ und sich schlecht mit den Bestimmungen einer BIG vertrug. Außerdem muß sich der Einzelne innerhalb einer solchen Gemeinschaft den Mehrheitsentscheidungen beugen, was von ihm die Fähigkeit zu demokratischem und kooperativem Verhalten verlangt und mitunter die Aufgabe spezieller eigener Wünsche bedeutet.

Darüberhinaus ist die Mobilität des Einzelnen durch den privaten PKW größer geworden, so daß ein Eigenheim in der unmittelbaren Nähe des Arbeitsplatzes nicht notwendig erscheint. Man kann also auch in ländlichen Randgemeinden bauen, wo das Baugelände oftmals erheblich billiger ist als im industriellen Kernraum und von dort aus täglich zur Arbeit pendeln. Ferner ist es im Verdichtungsraum des Saarlandes schwierig, genügend großes Gelände für solche zusammenhängenden Siedlungsmaßnahmen zu erwerben.

Dennoch hat das Konzept der Bauinteressengemeinschaften bis heute eine gewisse Bedeutung behalten. Allerdings ist die Mitgliederzahl der heutigen BIG's gegenüber jener der früheren wesentlich geschrumpft: von meist 80 - 100 Mitgliedern in den 50er und 60er Jahren auf maximal 20 heute. Für die einzelnen BIG's, die in den 70er und 80er Jahren entstanden, wurden eigens für sie konzipierte Baupläne entwickelt, während es früher Typenpläne gab, die von verschiedenen BIG's herangezogen wurden und damit "saarlandweit" Verwendung fanden.Bauinteressengemeinschaften und Bauvereine 1949-1989

Die Abbildung zeigt die Gesamtzahl (1937) der im Rahmen von 43 BIG's und BV's errichteten Häuser. Deutlich erkennbar ist der steile Anstieg bis Mitte der 60er Jahre, während ab 1970 nur noch ein sehr langsames Wachstum festzustellen ist.

Bergleute, die Wert auf größeren Wohnkomfort legten und denen ein BIG­Haus nach Typenplan nicht zusagte, hatten die Möglichkeit, ein Eigenheim im Rahmen eines Bauvereins zu erstellen. Dabei konnte man davon ausgehen, daß die im. Rahmen eines solchen Bauvereins erstellten Häuser in der Regel größer und individueller gestaltet waren als die BIG-Häuser.

Den einzelnen Mitgliedern wurden Darlehen unter den gleichen Bedingun­gen wie Einzelbauenden gewährt. Die Eigenheime erbaute man in Gemeinschaftsarbeit. Auch der Materialeinkauf erfolgte gemeinsam, was zu erheblichen Kosteneinsparungen führte.

Anders als bei den BIG's wurden keine fremden Unternehmer zum Bau herangezogen. Au ßerdem sollte das Unternehmen laut Satzung keinerlei Baugeräte, Baustelleneinrichtungen oder Fahrzeuge zur Verfügung stellen, was aber im Einzelfall nicht immer strikt befolgt wurde, wie zahlreiche Unterlagen beweisen.

Ein weiterer formaler Unterschied zur BIG war die Tatsache, daß jedes Haus für sich finanziert und kein Globaldarlehen vergeben wurde. Die technische und verwaltungsmäßige Betreuung entsprach derjenigen der BIG's. Ein Unterschied zur BIG bestand allerdings darin, daß die Mitglieder von Bauvereinen 3.000 Arbeitsstunden abzuleisten hatten, wodurch sich ihr Kapitalbedarf natürlich verringerte. Ferner hatten auch sie die Möglichkeit, fehlendes Eigenkapital während der Bauzeit anzusparen.

Die Blütezeit der Gründung von Bergmannsbauvereinen lag Anfang der 50er Jahre und reichte bis Anfang der 60er Jahre, während es danach keine mehr gab. Grund hierfür war zum einen wohl die hohe Stundenzahl und die enorme Arbeitsbelastung für den Bergmann nach der Schicht. Zum anderen ließen sich die Kosten aufgrund der individuellen Wünsche der einzelnen Mitglieder nun nicht mehr namhaft senken, da EinzeIanfertigungen teuer waren und einen Großeinkauf unmöglich machten.

Das äußere Erscheinungsbild der BIG's und BV's

Ein wesentliches Charakteristikum der Häuser in den BIG's und BV's ist ihre gleichartige äußere Gestaltung. In den 50er und 60er Jahren entwickelte zunächst die Regie des Mines und später auch die Saarbergwerke AG eine Reihe von Typenplänen, die speziell auf die Bedürfnisse von Bauinteressengemeinschaften und Bauvereinen zugeschnit­ten waren. Es handelte sich hierbei zunächst um zweigeschossige Einfamilienhäuser mit Satteldach, die als Doppelhaushälften konzipiert wurden. Reihenhäuser oder freistehende Einzelhäuser bildeten die Ausnahme. Flachdachbungalows bestimmten Ende der 60er/ Anfang der 70er Jahre das Bild und eingeschossige Einfamilienhäuser mit Einliegerwohnung dominieren seit Anfang der 70er Jahre.

Parallel zu dieser Entwicklung wuchs das Verlangen der Bauherrn nach größerer Individualität. Ihm wird dadurch Rechnung getragen, daß die Bauinteressengemeinschaften, die seit Anfang der 70er Jahre entstanden sind, jeweils einen speziellen Bauplan hatten, der größtenteils auf die Bedürfnisse der Mitglieder zugeschnitten war und daher nur für diese Siedlung verwandt wurde. Spätestens damit war einer weiträumigen Verbreitung einheitlicher Haustypen ein Ende gesetzt.

Allerdings bleibt festzuhalten, daß es nach dem Zweiten Weltkrieg im saarländischen Kohlenbergbau insgesamt betrachtet keinen solch einheitlichen Haustyp mehr gegeben hat, wie es das "Saarbrücker Prämienhaus" des Preußischen Bergfiskus gewesen war. Diese eingeschossigen, traufständigen Gebäude bildeten oft kilometerlange Siedlungsgassen ohne Vorgärten und Plätze und bestimmen selbst heute noch das Bild vieler ehemaliger Bergmannsdörfer im Saarland.

Demgegenüber treten die Neubauten nach dem Krieg in ihrer optischen und raumprägenden Wirkung zurück. Dies ist zum einen wohl dadurch zu erklären, daß die Auflagen von Seiten des Unternehmens keine solchen Reglementierungen mehr beinhalten wie im 19. Jahrhundert, wo äußere Gestaltung und Baumaße genau festgelegt waren und man damit den Beruf des Hausbesitzers - also des Bergmannes - an der "Fassade ablesen konnte". Zum anderen ist die räumliche Verteilung eine andere.

Die Saarbrücker Prämienhäuser reihen sich vornehmlich entlang der Straßen des saarländischen Kohlenbergbaugebietes, während die Nachkriegsbebauung aufgrund der zunehmenden Mobilität der Belegschaft auch in weiter entfernt liegende Gebiete vorgedrungen ist.

Trotz ihrer einheitlicheren äußeren Gestaltung sind auch die Häuser in den Siedlungen der BIG's und BV's nicht als Weiterentwicklung derfrüheren Prämienhäuser aufzufassen. Als Gründe kann man hier verschiedene Faktoren benennen: einerseits variiert das Erscheinungsbild der einzelnen Haustypen trotz ihrer geringeren Zahl (1937 Gebäude) gegenüber den etwa 8.000 Prämienhäusern des Preußischen Bergfiskus bereits so stark, daß man keine übergeordneten Charaktermerkmale feststellen kann.

Daher kann man ein nach Kriegsende gebautes Haus eines Bergmannes nicht mehr äußerlich von demjenigen eines anderen Berufstätigen unterscheiden.

Ferner ist die räumliche Lage eine andere. Die Häuser der Bauinteressen­gemeinschaften und Bauvereine treten als Teil einer Siedlung oder einer Ortschaft in einem zusammenhängenden Bereich auf, während die Prämienhäuser früherer Zeit gestreut liegen. Damit ergibt sich auch eine andere Wirkung auf die Kulturlandschaft: bei den BIG's und BV's ist das Gebiet lediglich auf eine oder mehrere Straßen innerhalb eines Ortes begrenzt. Damit ist die "Außenwirkung" naturgemäß sehr viel geringer als bei sich ständig wiederholenden Objekten.

Abschließend bleibt festzuhalten, daß das System der BIG's und BV's im saarländischen Wohnungsbau der Nachkriegszeit eine bedeutende Rolle gespielt hat: zahlreiche Bergleute sind dank der finanziellen Unterstützung des Unternehmens und der Stiftung für Wohnungsbau der Bergarbeiter zu einem Eigenheim gelangt. In den letzten Jahren hat das Interesse zur Gründung neuer BIG's sichtbar nachgelassen, da "individuelles Bauen" immer stärker in den Vordergrund tritt. Au ßerdem sind Neubauten insgesamt betrachtet sehr teuer, so daß ein Hauskauf vielfach finanziell günstiger ist. Dennoch wird es wohl auch in Zukunft - wenn auch in geringerem Umfang ­ weiterhin zur Gründung von Bauinteressengemeinschaften kommen.

Monika Fontaine